08
Sep
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op. 2

1.berechnend/unbegreiflich

Du klingst so schön in meiner Tasche,

Hm, Du leichtes Wesen, Du.

Geld zu Geld ist leider keine Masche,

Und Löcher zieren meinen Schuh.

So greif ich die wirre Realität,

In der Du so groß geworden.

Unfäir behandeln, ´ne Spezialiät!

Vom Bettelmönch bekommst Du Orden.

Ich roll Dich die Straße hinab

Und seh´ Dir dabei zu.

Gold und Silber geraten in Trab,

Und Löcher zieren meinen Schuh.

So greif ich in die leere Tasche

Und fühle nichts als Nichts.

Phrasen zerfallen schnell zu Asche

Und in meinem Herze stichts.

Ich such nicht lang, sie steht schon da,

Gleich hinter mir und streicht im Nu

Das Stechen weg. Ich sage: „Ja!“,

Und Löcher zieren meinen Schuh.

So vergess´ ich das Nichts in meiner Tasche

Und greife ihre heiße Hand.

Vernunftbegabtes Wesen,

Unberechenbares Band.

2. Gegenpol/Ruhegegner

Hast mich hochgearbeitet -

Werd´ das nie bemessen -

Bist so herrlich weich und warm

Und wie Schlaf und Essen.

Du bist die Kraft als Ruhepol,

Ins Leben mich hast Du geholt,

Lass mich zu Dir, mir ist nicht wohl -

Werd´ Dich nicht vergessen.

3. rational/Lüge

Liebes Leben,

es wahr mir bisher egal, was mein Körper nicht verträgt. Solange ich noch aufsteh´n kann, ist es noch nicht zu spät.

Ich hab´ mich ungesund gepflegt, hab jeder Frau vertraut. Ich bin keiner von den Weisesten. Die Lust hat mich beklaut.

„So ist es nunmal.“ Und darf es nicht bleiben. Die geistige Qual ist nicht zu beschreiben.

So kann´s nicht weiterlaufen, irgendwas läuft schief. Ich denk´ nicht, dass ich richtig bin. Ich steck zu tief im Mief.

Liebes Leben,

dass Du mich nicht vergisst, will ich für Dich singen. Wenn Du nicht auf mich pisst, will ich Dir Opfer bringen.

„So ist es nunmal.“ So kann es nicht bleiben, denn der wahre Märtyrer wird sich nicht entleiben!

Jetzt steh´ ich vor Zion, wie vor meinem eigenen Grab. Ich darf noch auswählen: Gewürz, Hut und Stab.

Was ist nun,

liebes Leben? Kannst Du mir nicht verzeih´n? Kannst Du es nicht vergessen, Dich wieder mit mir

freu´n?

„So ist es nunmal.“ So steht´s aber nicht geschrieben! Seit Jahrhunderten predigen sie die glorreichen Sieben: Gesetz, dass niemand brechen mag. Moral, die nur bestechen kann und die Liebe, für jeden Tag. ´Nen Körper, für den man nur blechen kann. Gewinner, die man nur stechen kann. Verlierer, die ganz oben steh´n und die Welt, die nur verstehen kann.

Und somit siehst Du dann, Du kannst gar nicht alleine sein. Wollen and´re Schweine sein, gibt es rechts und links und oben und unten und überall und allgegenwärtig vernunftbegabte Wesen.

TD 0208


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